Der Prinz mit der Zahnlücke - Tommy 38
Ihr nächster Hafen auf der Insel Mindanao war nur eine Pier, die vom Palmenstrand ins tiefe Wasser hinaus gebaut worden war und über deren Kopfende das große Schiff mit Bug und Heck weit hinausragte. An Land standen nur ein paar Hütten, man konnte sich am Strand die Beine vertreten und in dem türkisfarbenen, kristallklaren Wasser schwimmen, nachdem die ärgste Mittagshitze etwas nachgelassen hatte. Die Sonne brannte mörderisch herab.
Zur Komplettierung der Ladung liefen sie Mati an, die Hauptstadt der Provinz Davao Oriental. Die Beladung hier sollte etwa eine Woche dauern. Die Stadt machte keinen besonders attraktiven Eindruck, Peter und Tommy brachen daher am anderen Morgen zu einer einhundertsiebzig Kilometer langen, abenteuerlichen Busreise nach Davao City auf.
Der uralte Ami-Schnaufer quälte sich mit dampfendem Kühler die steilen Serpentinen der Ausläufer des Mount Mayo Massives hinauf, bald lag die Stadt am Ende der Pujada Bay als herrliches Panorama tief unter ihrem museumsreifen Vehikel. Die Paßstraße war sehr eng, vor jeder Kurve hupte der Fahrer als Warnsignal für den in rasanter Fahrt entgegenkommenden Talverkehr. Jedes Fahrzeug zog eine lange Staubfahne hinter sich her, da in ihrem Gefährt mit Ausnahme der Windschutzscheibe vor dem Fahrer keine einzige Scheibe mehr heil war, sahen sie bald aus wie Albinos in einer Mehlfabrik vor Schichtende. Zwischen den Zähnen knirschte der feine Sand, die Augen begannen sich zu röten. An den zahlreichen Haltestellen entstand sofort eine Backofenhitze, die aber weggeblasen wurde, wenn der Bus wieder anfuhr. An jedem Stop stürzten Dutzende von Händlern und Kindern auf sie zu und verkauften Snacks und Erfrischungen.
Sie waren die einzigen Europäer in der gerappelt vollen Kiste. Die Filipinos stiegen mit allen denkbaren Gepäckstücken beladen ein und aus. Neben ihnen schleppte einer einen Sack voll Reis mit sich, als Geschenk für seine Familie in Davao, wie er bereitwillig mitteilte. Weiter vorne saß ein anderer mit einem Kampfhahn auf dem Schoß, er stieg nach ein paar Haltestellen wieder aus und wurde abgelöst durch eine Oma, die ein ganzes Büschel an den Füßen zusammengebundener lebender Hühner mit sich führte. Zwei Sitzreihen hinter ihnen quietschte ein Ferkel. Mehrere Passagiere hatten ihre kleinen Kofferradios in Betrieb, zum Glück hörten sie den selben Sender. Ein zahnloser Alter stieg mit einer Matratze zu, von der Decke herab baumelten Netze mit Mangos und Ananas.
In rasender Fahrt ging es auf der anderen Seite des Bergrückens wieder kurvenreich zur Küstenstraße am Davao-Golf hinunter.
Ein plötzlicher Regenschauer verwandelte die Straße in eine Schlammpiste. Anstelle der Fensterscheiben konnte man aus der doppelten Außenwand hölzerne Tafeln heraufziehen, die den Regen einigermaßen abhielten. Der Dreck der passierenden Fahrzeuge spritzte bis in Sitzhöhe herauf.
Gut gelaunt und von oben bis unten verdreckt erreichten sie Davao-City, einen Schmelztiegel der Rassen mit fast einer Million Einwohnern, flächenmäßig eine der größten Städte der Erde. Leicht gerädert stiegen sie auf dem Busbahnhof in ein Taxi um und fuhren ins Marina Azul Resert Hotel, einer erstklassigen Anlage an der Times Beach. Es war ein Wunder, daß der Abfluß der Dusche nicht verstopfte von all dem Dreck, der an ihnen herunter lief. Aus ihrem großen Zimmer mit Balkon sahen sie durch einen gepflegten Palmenpark den nahen Strand des Golfs von Davao. Jeden Morgen kletterten junge Filipinos wie die Eichkätzchen an den Palmen hinauf und schlugen die reiferen Kokosnüsse, um zu verhindern, daß sie den Gästen auf die Köpfe fielen.
Die deutschsprachige Hotelmanagerin riet ihnen vom Baden an der Beach ab, das Wasser sei durch Industrieeinleitungen nicht mehr ganz einwandfrei, sie empfahl die Benutzung des großen Pools. Die weit auseinandergezogene Hotelanlage verfügte über Cocktail- und Milchbars unter den Palmen und ein hervorragendes Restaurant mit einer märchenhaft illuminierten Terrasse.

Die brütende Hitze hielt sie tagsüber in der exklusiven Hotelanlage unter den Palmen am Strand. Nach einem gepflegten Dinner auf der Terrasse stürzten sie sich gemeinsam in das Nachtleben der Inselmetropole, die alle Bedürfnisse befriedigte, jedem Geschmack das seine bot. Auf ihrem Bar- und Kneipenbummel landeten sie bereits am ersten Abend in einem kleinen Karaoke-Lokal, in dem sie sich sofort wohl fühlten. Die Gesangsanlage wurde nur wenig in Betrieb genommen und nervte nicht, die seltenen Darbietungen der Gäste, die sich hier produzierten, waren teilweise beachtlich.
Der Geschäftsführer des Ladens kümmerte sich hilfsbereit um Tommy und Peter, von ihm erhielten sie wertvolle Tips nicht nur über das Nachtleben der Millionenstadt. Die Damentruppe ihres Stammlokals prostituierte sich nicht, die Mädchen wollten einfach nur Spaß haben. Ihren sexuellen Druck hatten Tommy und Peter in Tacloban ablassen können, folglich zogen sie auch nicht mehr zwanghaft von Bar zu Bar auf verkrampfter Suche nach Erfüllung dieses Dranges, wie sie es in den ersten Tagen auf dem Archipel getan hatten.
Das Zusammensein mit den freundlichen Menschen in einer Atmosphäre ehrlicher Sympathie gab ihrem Leben in dieser Zeit eine unbeschwerte Leichtigkeit zurück, die sie beide lange vermißt hatten. Mit dem Geschäftsführer der Bar streiften sie durch die nähere Umgebung dieses urbanen Teils der City, er zeigte ihnen, wo etwas “los” war und auch das Viertel, das sie unbedingt meiden sollten.
In einer schummrigen Tanzbar machte sich bei Tommy dann doch ein zunehmend starkes Interesse an den dort auftretenden Künstlerinnen bemerkbar. Auch dem Geschäftsführer blieb die wachsende Unruhe des Jungen nicht verborgen.
“If you wish to meet a girl for tonight, I can show you the place with the most beautiful ladies here in Davao” schlug er vor.
“Es ist die letzte Chance” sagte Peter, wir werden ziemlich lange auf See sein.”
“Du hast mich überredet” stimmte Tommy sofort zu.
Peter stand an diesem Abend nicht unbedingt der Sinn danach, er zog es vor, auf eigene Faust die Gegend zu erkunden. Sie trennten sich, in der Karaoke-Bar oder im Hotel wollte man sich wieder treffen.
Peter schlenderte den Weg zurück, auf dem sie gekommen waren. Irgendwie zog es ihn fast magisch in das Viertel hinein, das er nach dem Ratschlag des Geschäftsführers hätte meiden sollen.
Er kannte die Slums der ganzen Welt, noch nie war ihm bei seinen Ausflügen, die er alleine unternahm, etwas zugestoßen. Es kam seiner Meinung nach darauf an, wie man auftrat, welches Wesen man zur Schau stellte. Es war klar, daß sich die Bewohner dieser Gegenden von Touristen belästigt fühlten, die großkarierte Hosen trugen und einen Fotoapparat um den Hals oder eine Videokamera in der Hand hatten.
Wenn man in T-Shirt, Jeans und in Turnschuhen ohne Socken den Leuten freundlich gegenüber trat, wurde man in dieser Umgebung oft sogar herzlich aufgenommen. Selbstverständlich durfte man nicht in Bars oder Kneipen als “Schein-Werfer” auftreten.
Weiter
Zur Komplettierung der Ladung liefen sie Mati an, die Hauptstadt der Provinz Davao Oriental. Die Beladung hier sollte etwa eine Woche dauern. Die Stadt machte keinen besonders attraktiven Eindruck, Peter und Tommy brachen daher am anderen Morgen zu einer einhundertsiebzig Kilometer langen, abenteuerlichen Busreise nach Davao City auf.
Der uralte Ami-Schnaufer quälte sich mit dampfendem Kühler die steilen Serpentinen der Ausläufer des Mount Mayo Massives hinauf, bald lag die Stadt am Ende der Pujada Bay als herrliches Panorama tief unter ihrem museumsreifen Vehikel. Die Paßstraße war sehr eng, vor jeder Kurve hupte der Fahrer als Warnsignal für den in rasanter Fahrt entgegenkommenden Talverkehr. Jedes Fahrzeug zog eine lange Staubfahne hinter sich her, da in ihrem Gefährt mit Ausnahme der Windschutzscheibe vor dem Fahrer keine einzige Scheibe mehr heil war, sahen sie bald aus wie Albinos in einer Mehlfabrik vor Schichtende. Zwischen den Zähnen knirschte der feine Sand, die Augen begannen sich zu röten. An den zahlreichen Haltestellen entstand sofort eine Backofenhitze, die aber weggeblasen wurde, wenn der Bus wieder anfuhr. An jedem Stop stürzten Dutzende von Händlern und Kindern auf sie zu und verkauften Snacks und Erfrischungen.
Sie waren die einzigen Europäer in der gerappelt vollen Kiste. Die Filipinos stiegen mit allen denkbaren Gepäckstücken beladen ein und aus. Neben ihnen schleppte einer einen Sack voll Reis mit sich, als Geschenk für seine Familie in Davao, wie er bereitwillig mitteilte. Weiter vorne saß ein anderer mit einem Kampfhahn auf dem Schoß, er stieg nach ein paar Haltestellen wieder aus und wurde abgelöst durch eine Oma, die ein ganzes Büschel an den Füßen zusammengebundener lebender Hühner mit sich führte. Zwei Sitzreihen hinter ihnen quietschte ein Ferkel. Mehrere Passagiere hatten ihre kleinen Kofferradios in Betrieb, zum Glück hörten sie den selben Sender. Ein zahnloser Alter stieg mit einer Matratze zu, von der Decke herab baumelten Netze mit Mangos und Ananas.
In rasender Fahrt ging es auf der anderen Seite des Bergrückens wieder kurvenreich zur Küstenstraße am Davao-Golf hinunter.
Ein plötzlicher Regenschauer verwandelte die Straße in eine Schlammpiste. Anstelle der Fensterscheiben konnte man aus der doppelten Außenwand hölzerne Tafeln heraufziehen, die den Regen einigermaßen abhielten. Der Dreck der passierenden Fahrzeuge spritzte bis in Sitzhöhe herauf.
Gut gelaunt und von oben bis unten verdreckt erreichten sie Davao-City, einen Schmelztiegel der Rassen mit fast einer Million Einwohnern, flächenmäßig eine der größten Städte der Erde. Leicht gerädert stiegen sie auf dem Busbahnhof in ein Taxi um und fuhren ins Marina Azul Resert Hotel, einer erstklassigen Anlage an der Times Beach. Es war ein Wunder, daß der Abfluß der Dusche nicht verstopfte von all dem Dreck, der an ihnen herunter lief. Aus ihrem großen Zimmer mit Balkon sahen sie durch einen gepflegten Palmenpark den nahen Strand des Golfs von Davao. Jeden Morgen kletterten junge Filipinos wie die Eichkätzchen an den Palmen hinauf und schlugen die reiferen Kokosnüsse, um zu verhindern, daß sie den Gästen auf die Köpfe fielen.
Die deutschsprachige Hotelmanagerin riet ihnen vom Baden an der Beach ab, das Wasser sei durch Industrieeinleitungen nicht mehr ganz einwandfrei, sie empfahl die Benutzung des großen Pools. Die weit auseinandergezogene Hotelanlage verfügte über Cocktail- und Milchbars unter den Palmen und ein hervorragendes Restaurant mit einer märchenhaft illuminierten Terrasse.

Die brütende Hitze hielt sie tagsüber in der exklusiven Hotelanlage unter den Palmen am Strand. Nach einem gepflegten Dinner auf der Terrasse stürzten sie sich gemeinsam in das Nachtleben der Inselmetropole, die alle Bedürfnisse befriedigte, jedem Geschmack das seine bot. Auf ihrem Bar- und Kneipenbummel landeten sie bereits am ersten Abend in einem kleinen Karaoke-Lokal, in dem sie sich sofort wohl fühlten. Die Gesangsanlage wurde nur wenig in Betrieb genommen und nervte nicht, die seltenen Darbietungen der Gäste, die sich hier produzierten, waren teilweise beachtlich.
Der Geschäftsführer des Ladens kümmerte sich hilfsbereit um Tommy und Peter, von ihm erhielten sie wertvolle Tips nicht nur über das Nachtleben der Millionenstadt. Die Damentruppe ihres Stammlokals prostituierte sich nicht, die Mädchen wollten einfach nur Spaß haben. Ihren sexuellen Druck hatten Tommy und Peter in Tacloban ablassen können, folglich zogen sie auch nicht mehr zwanghaft von Bar zu Bar auf verkrampfter Suche nach Erfüllung dieses Dranges, wie sie es in den ersten Tagen auf dem Archipel getan hatten.
Das Zusammensein mit den freundlichen Menschen in einer Atmosphäre ehrlicher Sympathie gab ihrem Leben in dieser Zeit eine unbeschwerte Leichtigkeit zurück, die sie beide lange vermißt hatten. Mit dem Geschäftsführer der Bar streiften sie durch die nähere Umgebung dieses urbanen Teils der City, er zeigte ihnen, wo etwas “los” war und auch das Viertel, das sie unbedingt meiden sollten.
In einer schummrigen Tanzbar machte sich bei Tommy dann doch ein zunehmend starkes Interesse an den dort auftretenden Künstlerinnen bemerkbar. Auch dem Geschäftsführer blieb die wachsende Unruhe des Jungen nicht verborgen.
“If you wish to meet a girl for tonight, I can show you the place with the most beautiful ladies here in Davao” schlug er vor.
“Es ist die letzte Chance” sagte Peter, wir werden ziemlich lange auf See sein.”
“Du hast mich überredet” stimmte Tommy sofort zu.
Peter stand an diesem Abend nicht unbedingt der Sinn danach, er zog es vor, auf eigene Faust die Gegend zu erkunden. Sie trennten sich, in der Karaoke-Bar oder im Hotel wollte man sich wieder treffen.
Peter schlenderte den Weg zurück, auf dem sie gekommen waren. Irgendwie zog es ihn fast magisch in das Viertel hinein, das er nach dem Ratschlag des Geschäftsführers hätte meiden sollen.
Er kannte die Slums der ganzen Welt, noch nie war ihm bei seinen Ausflügen, die er alleine unternahm, etwas zugestoßen. Es kam seiner Meinung nach darauf an, wie man auftrat, welches Wesen man zur Schau stellte. Es war klar, daß sich die Bewohner dieser Gegenden von Touristen belästigt fühlten, die großkarierte Hosen trugen und einen Fotoapparat um den Hals oder eine Videokamera in der Hand hatten.
Wenn man in T-Shirt, Jeans und in Turnschuhen ohne Socken den Leuten freundlich gegenüber trat, wurde man in dieser Umgebung oft sogar herzlich aufgenommen. Selbstverständlich durfte man nicht in Bars oder Kneipen als “Schein-Werfer” auftreten.
Weiter
neo-bazi - 6. Jul, 00:00
Trackback URL:
http://cdhd.twoday.net/stories/2296485/modTrackback